Musiktheater, was kannst du eigentlich?
-vom Improtheater zur Klassik und wieder zurück
In meiner Rubrik musik_theater werdet ihr viele verschiedene Sparten wiederfinden, die gemeinhin unter dem Begriff „Musiktheater“ zusammengefasst werden. Ich stelle euch einige Projekte vor und lege dabei den Fokus auf die Produktionen selbst – um zu vermitteln, in welcher Bandbreite ich mich als Sopranistin wie auch als Schauspielerin in der Welt der Musik und des Theaters bewege. Woher meine Vorliebe für mein „Sparten-Hopping“ oder meinen „Sparten-Spagat“ kommt, erklärt sich wohl am besten durch meine Herkunft:
Angefangen hat vermutlich alles schon im Bauch meiner Mutter – sie ist Opernchor- und Chansonsängerin. Mein Vater ist Opern- und Oratoriensänger. Wenn er Mahlers "Trinklied vom Jammer der Erde" sang, klebte ich als Kind am Radio… kein Wunder also, dass ich selbst früh in diese Klangwelt eintauchen wollte. Seit meinem 16. Lebensjahr stehe ich als Sängerin und Schauspielerin auf der Bühne. Angefangen hat alles mit Improtheater im Kinder- und Jugendtheater Überzwerg und weiterführend als Schauspiel- Elevin im Ensemble, wo ich u.a. als Björk singende Hippie-Mutter in Franz Wittenbrinks Musiktheater "Mütter" zu sehen war. „It’s oh so quiet, ssssh, ssssh…“
Während meines Gesangsstudiums führte mich der Weg weiter in die Oper: Les Dialogues des Carmélites (als Blanche – Whoop Whoop!), Rusalka, Bluthaus am Staatstheater Saarbrücken. Puccini, Verdi, Mozart, Schubert, Hollaender, Eisler, Weill – diese Welt begleitet mich, seit ich denken kann.
Es zog mich dabei immer auch zum Fremden und Ungewohnten. Mir war es wichtig, das tief vertraute, früh „inhallierte“ Terrain zu hinterfragen und die eigene Komfortzone zu verlassen. Nach meinem Bachelor studierte ich deshalb „Neue Musik“ (HfM Saar), besuchte Meisterkurse bei Helmut Lachenmann, Salomé Kammer und Angelika Luz. Mit meinem Duo-Partner Stephan Goldbach begann ich, neue Klangräume zu erforschen – Kontrabass und Stimme, Jazz und Klassik, verbunden zu einer eigenen musikalischen Sprache. Mit LOULOU ging dann ein paar Jahre die Post ab, wir spielten im Konzerthaus etc. Und dann kam die Pandemie. Die Ausführung erspare ich mir an dieser Stelle – ihr könnt es euch denken. Die Folgen waren und bleiben hart.
Im Laufe meiner Arbeit habe ich also Oper, Schauspiel, sogar Ballett und ganz neue Formate mitgestaltet – Musiktheater in all seinen Spielarten, quasi! In den letzten Jahren widme ich mich verstärkt dem Experiment. zum Beispiel brachten wir einer Virtual-Reality-Oper im Labor des Musiktheaters im Revier auf die Bühne. Mit dem Musiktheater Lab der Company Art//2020 erforschen wir, wie Musik und Bewegung gleichwertig nebeneinanderstehen können. und stellen uns die Frage, was neues Musiktheater heute kann -und vielleicht auch dringend muss.
Ich fühle mich diesem Forschungsauftrag sehr verbunden: Auf geht's! Solange noch was geht, geht noch was! Komfortzone war gestern! Was war zuerst: Klang oder Bewegung? Und schläfst du eigentlich noch oder vertraust du schon? Wie steht's um deine Offenheit? Bist du in Kontakt mit dir selbst? I doubt it! *doomscroll*, *doomscroll*. Wo ist hier der Disconnect? Lass dagegen anklingen! Gemeinsam.



